
„Stellt mich ins rechte Licht!“ Das Leibniztheater geht neue Wege
Alle bisherigen Aufführungen des Leibniztheaters fanden jenseits unserer Schulmauern statt. Dabei ist es auch bei der jüngsten Produktion geblieben. Dieses Mal trat die Crew in der wunderschönen Gartenkirche St. Marien auf.
Zwei Dinge waren jedoch gänzlich neu: Aufraggeber war dieses Mal nicht die Leibniz-, sondern die Goethegesellschaft. Wir nahmen den Auftrag sehr gern an, denn Goethe steht in vielerlei Hinsicht in der Tradition des Universalgelehrten und führt dessen ganzheitlichen Geist fort.
Die aktuelle Produktion liefert eine weitere Besonderheit: Eine ehemalige Leibnizschülerin hat erneut die Bühne des Leibniztheaters betreten. Vor drei Jahren hat Sanja Petrovic das Abitur und vor wenigen Monaten den Bachelor-Abschluss in Soziologie gemacht. Nun hat sie mit größtem Engagement die Rolle der Charlotte Kestner gespielt, deren Leben in starkem Maße von der Begegnung mit Goethe geprägt war. Dieser hat sie in seinem Roman „Die Leiden des jungen Werther“ zur Lotte und – schlimmer noch – ihren Mann Christian zu einem missmutigen, seelenlosen Albert gemacht. Die sich daraus ergebende Öffentlichkeitswirkung war für die Ehe von Charlotte und Christian Kestner mit einer enormen Belastung verbunden, ein Thema, das regelrecht nach einer dramaturgischen Umsetzung schreit! Mit ihrer szenisch umgesetzten Biografie, deren Buchausgabe Charlotte zu Beginn des Stückes wirkungsvoll in die Höhe hält, räumt sie mit verfälschenden Aussagen auf und stellt sich und ihre Ehe (fast 200 Jahre nach ihrem Tod) „ins rechte Licht“.
Da die Produktion (auch wegen der überzeugenden Mitwirkung der angehenden Abiturienten Leon Gershanovych und Lenn Grotjahn sowie den SuS des DS-Kurses von Frau Schmidt) gut über die Bühne ging, ist bereits eine weitere Kooperation mit der Goethegesellschaft geplant, die Goethes Roman „Wahlverwandtschaften“ in einen lebendigen Zusammenhang mit Leibniz‘ „Monadologie“ bringen wird. Auch dann werden ehemalige Leibnizer eine besondere Rolle spielen.
Matthias Behne
