
Schüleraustausch mit Leszno – Demokratie, Debatten und viele spannende Eindrücke
Anfang September hatten wir Schüler*innen der Sekundarstufe II die Möglichkeit, dank der Förderung durch die Niedersächsische Staatskanzlei an einem Austausch mit polnischen Schüler*innen aus der Stadt Leszno teilzunehmen. Nach einem sehr frühen Aufbruch und einer erfolgreichen Anreise war es endlich soweit: Wir erreichten unser Ziel, die polnische Stadt Leszno. Zunächst erkundeten wir gemeinsam die Stadt und entdeckten unsere Unterkunft. Auf dem anschließenden Weg zum Nikolaus-Kopernikus-Gymnasium (II. Allgemeinbildendes Lyzeum), unserer Partnerschule, machten wir außerdem einen Abstecher zur örtlichen Motocross-Strecke, die zu den Sehenswürdigkeiten Lesznos zählt. In der Schule begann anschließend unser inhaltliches Programm. Nach einem spannenden Vortrag von Prof. Marcin Rachwal über Demokratie und „Civic Education“ , also politische Bildung, konnten wir beim gemeinsamen Pizzaessen unsere polnischen Austauschpartner*innen besser kennenlernen. Dabei bildeten wir auch direkt die Gruppen für das große Projekt der Fahrt: die Oxford-Debatte. Denn am letzten Tag sollten wir auf Englisch der Frage nachgehen: „Is Civic Education the most effective instrument in protecting democracies from non-democratic regimes?“ Oder auf Deutsch: Ist politische Bildung das effektivste Instrument, um Demokratien vor nicht-demokratischen Regimen zu schützen?
Unter dem Motto „Transferable Skills“ tauschten wir uns zu Beginn des zweiten Tages intensiv über unsere unterschiedlichen Schulsysteme aus. Dabei ging es um Fähigkeiten wie Kommunikation, digitale Bildung und Organisation und darum, wie diese aus unserer jeweiligen Perspektive in der Schule vermittelt werden. Besonders interessant waren die Unterschiede zwischen dem polnischen und dem deutschen Schulsystem. So wurde beispielsweise deutlich, dass Gruppenarbeiten bei uns häufiger zum Schulalltag gehören und die mündliche Beteiligung stärker gewichtet wird. In Polen spielen dagegen zahlreiche schriftliche Leistungsüberprüfungen eine größere Rolle.
Anschließend ging es in die heiße Phase: die Vorbereitung auf die Oxford-Debatte. In unseren Gruppen arbeiteten wir uns intensiv in das Debattenformat ein, recherchierten und sammelten schlagkräftige Argumente. Anders als bei „Jugend debattiert“ treten bei der Oxford-Debatte jeweils vier Vertreter*innen für die Pro- und die Contra-Seite an. Jede*r hat drei Minuten Zeit, um eine Rede für die eigene Position zu halten. Dabei übernimmt jede Person eine feste Rolle mit bestimmten Aufgaben. Nach der intensiven inhaltlichen Arbeit stand am Nachmittag Teambuilding auf dem Programm! In lockerer Atmosphäre konnten wir beim gemeinsamen Bowling den Kontakt zu unseren Austauschpartner*innen weiter vertiefen und ließen auch den Abend gemeinsam mit ihnen ausklingen.
Am dritten Tag erhielten wir noch einmal spannenden externen Input. Eine ehemalige Schülerin unserer Partnerschule, Frau Karolina Walkowska, gab uns einen Einblick in die Faktoren, die Demokratien schwächen können. Anschließend führte uns Herr Dr. Filip Tereszkiewicz in unsere Partizipationsmöglichkeiten innerhalb der Europäischen Union ein. Nach diesen interessanten Vorträgen und einer letzten intensiven Vorbereitungsphase in unseren Gruppen war es schließlich so weit: Die Oxford-Debatte stand an! Von uns deutschen Austauschschüler*innen argumentierten Artem und Jan auf der Pro-Seite, während Josefin und Viktoria die Contra-Seite vertraten. Jede*r von ihnen hatte drei Minuten Zeit, die eigene Position darzustellen. Dabei mussten feste Rollen mit bestimmten Aufgaben eingehalten werden. Es wurde leidenschaftlich auf Englisch argumentiert und diskutiert. Die intensive Vorbereitung der vergangenen Tage zahlte sich aus, und wir konnten unsere neu gewonnenen Kenntnisse im Debattieren direkt anwenden. Nach der erfolgreichen Debatte genossen wir die letzte verbleibende Zeit mit unseren neuen polnischen Freund*innen. Ein gemeinsames Abschiedsessen und ein letzter gemütlicher Abend in kleinen Gruppen rundeten diesen intensiven, lehrreichen und vor allem wunderschönen Austausch ab. Wir nehmen nicht nur neue Skills im Debattieren und Argumentieren mit nach Hause, sondern auch tolle Erinnerungen an die polnische Gastfreundschaft, spannende Einblicke in das polnische Schulsystem und neue Bekanntschaften, die hoffentlich über diesen Austausch hinaus bestehen bleiben.
Ein großes Dankeschön an alle, die diesen Austausch ermöglicht haben!
Gesa B. (Jg. 12) und Marik M. (Jg. 13)
