Gedenken, welches uns betrifft

„Lebt nicht wie wir, lebt ohne Furcht“ - Wir, die Klasse 10c, haben uns in den letzten zwei Monaten im Rahmen des Geschichtsunterrichts von Frau Raffel intensiv mit dem Volkstrauertag an der Leibnizschule auseinander gesetzt. Dabei begleiteten uns die Fragen, was wir heute mit dem Volkstrauertag zu tun haben, ob es uns überhaupt möglich ist, uns vorzustellen, wie es den Menschen im Zweiten Weltkrieg ging, warum der Volkstrauertag ein FEIERtag ist und was unsere Schule zum Erinnern beitragen kann.

Foto: J. Raffel

Anlässlich des diesjährigen Volkstrauertages hielten wir am 22. November 2019 im Eichenhain eine Gedenkstunde für den gesamten zehnten Jahrgang, da sich die zehnten Klassen insbesondere mit dem Thema Nationalsozialismus und Zweiter Weltkrieg im Geschichtsunterricht beschäftigen. Unterschiedliche Beiträge in Form von selbstverfassten Texten, Gedichten, Rollenspielen sowie Poetry Slams wurden vor den anderen Zehntklässlern präsentiert, dabei versuchten wir, nicht nur an Kriegsopfer, sondern auch an heute erfahrene Gewalt, z.B. auf Schulhöfen oder in Videospielen zu erinnern. In einer „Postkarte an junge Menschen“ von Walter Bauer erklang ein deutlicher Aufruf auch an uns heute: „Gebt nicht nach, wie wir getan haben. Folgt den Verlockungen nicht, denkt nach...lebt nicht wie wir, lebt ohne Furcht.“ Ebenso war von der Wirkung von gewaltverherrlichenden Videospielen auf uns Jugendliche die Rede, die unsere Bereitschaft, anderen zu helfen, erheblich senkt, uns gegen Gewalt abstumpfen lässt und damit ein Schritt in die Richtung erkennen lässt, der Gewalt überhaupt Raum zu geben. Aber auch Erfahrungen aktueller Kriegstäter und -opfer wurden berichtet, so erzählte Nia in ihrem Beitrag von einem Bekannten, der nach einem Einsatz in Afghanistan starke psychische Einschränkungen erfuhr. Auch wurde ein Gedicht über einen Zehnjährigen gelesen, der auf dem Schulweg in Vietnam von einem Fliegerangriff schwer verletzt wurde und seitdem auf einen Rollstuhl angewiesen ist.

Foto: J. Raffel

An der 1966 vom VEL gestifteten Gedenkstele schloss Kristina Wehling vom Verband ehemaliger Leibnizer (VEL) in ihrer kurzen Ansprache wiederum den Bogen zur Leibnizschule und erinnerte an die ehemaligen Schüler unserer Schule, die, als sie ungefähr in unserem Alter waren, im Zweiten Weltkrieg eingesetzt wurden und dort oder auch durch Bombenangriffe in Hannover getötet worden waren. Dem pflichtete Cord Bräuer bei, bevor beide gemeinsam nach einer Schweigeminute den Kranz an der Stele niederlegten. Die stellvertretende Schulleiterin Susanne Bürig-Heinze bedankte sich anschließend bei uns für die Gestaltung der Gedenkstunde. Uns als Klasse wurde über die Vorbereitung klar, wie sehr der Frieden, in dem wir heute hier leben, gefährdet ist durch Gewalt und dass es an uns liegt, wie wir uns für ihn einsetzen, dass ein Leben ohne Furcht nicht nur für uns, sondern für alle möglich ist.

Sara Akalan, Jakob Gudsuzian (10c)