„Krieg ist das Schlimmste, was passieren kann“

Anlässlich des Volks­trauer­tages am 13. November haben die zehnten Klassen der Leibniz­schule am Freitag, dem 11. November 2016, gemein­sam mit dem Verband Ehe­maliger Leibnizer (VEL) im Eichen­hain der Kriegs­toten gedacht.

Die Vor­sitzende des VEL, Kristina Wehling, erinnerte sich in ihrer An­sprache, dass bei ähnlichen Ge­denk­ver­anstal­tungen während ihrer Schul­zeit regel­mäßig Alt-Leibnizer zugegen waren, die den Krieg noch bewusst erlebt hatten. „Eure Kinder werden keine Zeit­zeugen für den Welt­krieg mehr vorfinden“, sagte sie den gut 100 Zehnt­klässlern.

Das Gedenken richtete sich ur­sprünglich vor allem auf die als Soldaten gefallenen Leibnizer, wie Wehling aus­führte. In der alten Leibniz­schule (externer Link) am Weißekreuzplatz erinnerte eine große Namens­tafel an die Ge­fallenen des Ersten Welt­kriegs. Nachdem die Schule im Zweiten Welt­krieg zer­stört worden war, ersetzte die jetzige Gedenk­stele im Eichen­hain die Tafel.

Schul­leiter Kurt Veith betonte, dass sich das heutige Gedenken auf alle Kriegs­toten erstrecke. „Krieg ist das Schlimmste, was passieren kann“, sagte Veith. Er illustrierte diese Aus­sage am Schicksal der Klein­kinder und Säug­linge, die im heutigen Schul­land­heim der Leibniz­schule in Nienstedt verstarben. Gegen Ende des Zweiten Welt­krieges war dort die Kinder­heil­anstalt Hannover (Auf der Bult) unter­ge­bracht. Zahlreiche Kinder von aus­ländischen Zwangs­arbeiter­innen, von Hannoveranern und Flücht­lingen wurden dort so gut es ging versorgt. Viele starben an Unter­ernährung, Durch­fall­er­krankungen und Infektions­krank­heiten, die nicht an­ge­messen be­handelt werden konnten. „Alle diese Kinder wären ohne den Zweiten Weltkrieg am Leben“, bemerkte Veith.

Der Schul­leiter erinnerte auch an die Zer­störung Hannovers sowie des alten Schul­gebäudes und stellte fest: „Wir wissen nicht, wie viele Leibnizer im Zweiten Welt­krieg um­ge­kommen sind, und wir kennen auch nicht ihre Namen.“ Aus der Kriegs­erfahrung der Ver­gangen­heit er­gebe sich jedoch ein Auftrag für die Gegen­wart und die Zukunft. Es sei ein großes Ge­schenk, dass es im größten Teil Europas seit 70 Jahren Frieden gebe. Das „Haus Europa“, in dem Konflikte friedlich gelöst würden, gelte es daher zu be­wahren und zu ent­wicklen. An der Leibniz­schule diene unter anderem der Aus­tausch mit polnischen Partner­schulen dem europäischen Gedanken und der Völker­ver­ständigung. Aktuell sei zudem die Hilfe für Flüchtlinge aus Kriegs­gebieten eine wichtige humanitäre Pflicht.

Gemeinsam mit Cord Bräuer vom VEL legte Kristina Wehling abschließend einen Kranz an der Gedenk­stele im Eichen­hain nieder. Trotz empfindlich kühler Witterung lauschten die anwesenden Zehnt­klässler den An­sprachen auf­merk­sam und legten ein dem Anlass angemessenes Verhalten an den Tag, wofür ihnen Schulleiter Kurt Veith aus­drücklich dankte. Im kommenden Jahr sollen wieder, wie üblich, die Zehntklässler selbst das Gedenken gestalten. Das war aus schul­organisa­torischen Gründen dieses Mal nicht möglich gewesen.

Axel Ehlers

Leibnizer und VEL gedenken der Kriegstoten