Leibniz-Gedenken in der Neustädter Hof- und Stadtkirche

„Fortschritt in Europa?“, fragt das Plakat, mit dem die Theater­gruppe um Lehrer Matthias Behne für das Leibniz­ge­denken in der Neu­städter Hof- und Stadt­kirche geworben hat. Einen Tag vor dem 299. Todes­tag unseres Schul­patrons spielten am Freitag, den 13. November 2015, Schüler­innen und Schüler der Leibniz­schule die dritte Episode aus dem auf vier Teile ange­legten Szenen-Zyklus um Leibniz und Europa. Pastorin Martina Trauschke hatte einleitend darauf hingewiesen, dass die diesjährige Gedenkveranstaltung wie ein Vorspiel zum 300. Todestag im kommenden Jahr sei. Auf diesen Höhepunkt hin ist auch die Theaterreihe der Leibnizschüler angelegt.

Die Leibnizer spielten Schüler­innen und Schüler, die eigen­ständig ein inter­national ver­netztes Europa-Projekt auf die Beine stellen wollen. Dazu müssen sie aber ihre Lehrer über­zeugen. Unter Berufung auf das von Leibniz in den Mittel­punkt all seiner Bemü­hungen gestellte „commune bonum“, das allge­meine Wohl der Gesell­schaft, wollen auch sie zum euro­päischen und globalen Wohl beitragen, indem sie die Grenzen des Klassen­zimmers über­schreiten.

Ihre Lehrer gehören dabei zum „Tanz der Ein­flüsse“, dem wir alle unter­liegen. „Bildung! Mündig­keit! Fort­schritt in Europa! Ein Schulversuch! Als ob ich für so etwas überhaupt Zeit hätte!“, weist einer der an alte Zeiten – die „Feuer­zangenbowle“ lässt grüßen – erinnernden Lehrer­typen die Initiative der Schüler schroff ab. Doch die geben sich nicht ge­schlagen und durch­brechen die Abfrage­routine eines ent­seelten Unter­richts durch sub­versive Antworten („Fish for breakfast every day“). Dabei be­kommen sie uner­wartete Unter­stützung aus dem Off. Ist das Leibniz, der da am Ort seines Grabes unsicht­bar zu den Schülern spricht? Sie ermutigt, ihren Gedanken freien Lauf zu lassen? Der sie bestärkt in ihrem Be­mühen um Mündig­keit und um die verbin­dende Gemein­sam­keit dessen, was wir Europa nennen?

Schließ­lich rauscht auch noch die herz­erfrischende italienische Professorin Rosa ins Klassen­zimmer, die die Schüler von irgend­woher zu kennen scheinen. Gemein­sam mit ihr können die Schüler auch ihre Lehrer über­zeugen, dass der „Fort­schritt in Europa“ unser aller Auf­gabe ist. So steht am Ende die von Leibniz inspirierte Ein­sicht, dass wir ange­sichts der öko­logischen und humanitären Heraus­forderungen unserer Zeit auf­ge­fordert sind, weg­weisende Worte zu finden und auch weg­weisend zu handeln: Theoria cum praxi! Oder, wie es einer der Schüler im Stück aus­drückt: „Wenn ich schon diesen Planeten besiedele, will ich auch etwas Positives dazu bei­tragen.“ Kräftiger Applaus für die Schau­spiel­truppe und ein herz­liches Danke­schön an alle Mit­wirken­den!

Leider konnten in diesem Jahr aus schul­organisa­torischen Gründen keine Leibniz­schüler im Publikum sitzen, was sowohl von den Akteuren auf der Bühne als auch vom scheidenden Präsidenten der Leibniz­gesellschaft, Pro­fessor Rolf Wernstedt, bedauert wurde. Zum 300. Todes­tag im nächsten Jahr, der in der Leibniz­schule auch mit einem eigenen Schul­fest und be­sonderen Projekt­tagen be­gangen werden wird, wird das hoffent­lich wieder anders sein. Dann vollendet sich auch der Europa-Zyklus des Leibniz­theaters.

Axel Ehlers

Leibnizer machen sich im Geiste unseres Schulpatrons stark für Europa