Klasse 10D gestaltet Totengedenken im Eichenhain

„Krieg ist ein furcht­bares Ereignis, das auch tief in das Leben einer Schule und der Schüler eingreift“, betonte Schul­leiter Kurt Veith zu Beginn des dies­jährigen Totenge­denkens im Eichen­hain am Freitag, dem 13. November 2015. Bei der Erinnerung an die toten Leibnizer gehe es nicht um Helden­ver­ehrung, sondern um eine Aus­ein­ander­setzung mit den Dimen­sionen des Krieges, der stets Un­schuldige treffe. Das zeige aktuell zum Beispiel der Bürger­krieg in Syrien. Es sei daher eine wichtige Auf­gabe, den Frieden in Europa zu er­halten. Die euro­päische Inte­gra­tion müsse weiter voran­ge­trieben werden, mahnte Veith. Dafür trügen auch die Zehnt­klässler, die an der Gedenk­stunde teil­nahmen, Verant­wortung.

Am Freitag vor dem Volks­trauertag gedenkt der Verband Ehemaliger Leibnizer (VEL) traditionell der Toten der Leibniz­schule an der Gedenk­stele im Eichen­hain. In diesem Jahr ge­staltete die Klasse 10D unter der Leitung von Deutsch- und Geschichts­lehrer Fritz Hoche die Feier. Erstmals nahmen alle zehnten Klassen als Zu­hörer an der Ver­anstaltung teil, was Holger Steinwede, der zweite Vor­sitzende des VEL, besonders be­grüßte.

Die Schüler­innen und Schüler der 10D erinnerten in einer aus­ge­feilten Rede, die Franziska Reithmeier und Sarah Heilmann verfasst hatten, zunächst an das Ende des Zweiten Welt­krieges vor 70 Jahren. Die Aus­einander­setzung mit den beiden Welt­kriegen und ihren Folgen sei wichtig, um das Bewusst­sein für Gefähr­dungen des Friedens in der Gegen­wart zu schärfen, sagte Can Martin Dogruyol als Sprecher der Klasse. Indem die Schüler die Geschichte des Volks­trauer­tages und der Arbeit des Volks­bundes deutsche Kriegs­gräber­für­sorge nach­zeichneten, zeigten sie die Not­wendig­keit auf, sich aktiv und kritisch mit der Ver­gangen­heit zu be­fassen; denn die Er­innerung kann auch miss­braucht werden, wie die Um­wandlung des Volks­trauer­tages in einen „Helden­ge­denk­tag“ zur Zeit der national­sozial­istischen Diktatur belegt.

Die Arbeit des Volks­bundes und die Folgen des Krieges ver­anschau­lichte die 10D am Beispiel des Kinder­fried­hofs bei unserem Schul­landheim in Nienstedt, der seit diesem Jahr eine Kriegs­gräber­stätte ist. Abiturientinnen und Abiturienten der Leibniz­schule haben die neue Gedenk­stätte mit­gestaltet. Im Zweiten Welt­krieg war die Kinder­heil­anstalt Hannover („Auf der Bult“) in das Land­heim nach Nienstedt aus­ge­lagert worden. Neben deutschen Säug­lingen starben hier auch Kinder von aus­ländischen Zwangs­arbeiterinnen, von denen einige auf dem Wald­friedhof be­graben wurden.

„Auf allen Konti­nenten der Welt sehnen sich die Menschen nach Frieden“, sagten die Schüler. Ohne Frieden sei ein menschen­würdiges Leben kaum möglich. Durch hoch­ge­haltene Plakate mit Aus­sagen zu Kriegs­folgen und Wünschen für eine fried­liche Welt ver­liehen sie ihren Worten Nach­druck und ver­banden die Er­innerung an die Toten ein­drück­lich mit dem Aufruf zu aktivem Ein­satz für den Frieden. In das Ge­denken an die Kriegs­toten der Leibniz­schule schlossen die Schüler andere Kriegs­opfer mit ein, unter anderem auch die Bundes­wehr­soldaten, die auf Aus­lands­ein­sätzen gefallen sind.

Für den VEL er­innerte Holger Steinwede an das Schick­sal von Leibnizern, die als Soldaten, als KZ-Häftlinge oder als Bomben­opfer ihr Leben ver­loren. „Stellt euch vor, euer Bank­nachbar, der am Montag noch mit euch gelacht hat, kommt am Dienstag nicht mehr in die Schule, weil sein Haus von einer Bombe getroffen wurde“, rief Steinwede eine mögliche Kriegs­erfahrung von Schülern im Zweiten Weltkrieg ins Bewusst­sein. Heutige Kriegs­flüchtlinge hätten wo­möglich ganz ähnliche Er­fahrungen gemacht. „Wir sind alle gefordert, die Demokratie zu leben und zu gestalten“, sagte Steinwede mit Blick auf historische und aktuelle Heraus­forderungen. Zum Abschluss der Gedenk­feier legte er gemeinsam mit Cord Breuer einen Kranz an der Gedenk­stele nieder.

Den beiden Verfasserinnen der Rede, der gesamten 10D sowie ihrem Klassenlehrer Fritz Hoche sei herzlich gedankt für die Vor­be­reitung und Durch­führung des Ge­denkens. Auch die anderen zehnten Klassen haben durch ihre Teil­nahme und ihr allseits lobend erwähntes tadel­loses Be­nehmen maß­geblich zum würdigen Charakter des Gedenkens beige­tragen.

Axel Ehlers

Schüler betonen Notwendigkeit aktiver Erinnerung