Kinderfriedhof in Nienstedt eingeweiht

Der Kinder­friedhof in der Nähe des Schul­land­heims der Leibniz­schule ist am 1. Juli 2015 offiziell als Kriegs­gräber­stätte ein­geweiht worden. Schüler­innen und Schüler des Kunst­prüfungs­kurses hatten in einem auf­wendigen Projekt Grab­zeichen für das Gräber­feld ent­worfen. Ein Jury wählte aus den Ent­würfen die Plastik von Ksenia Kovelina aus. Die Um­setzung in Keramik und Stein erfolgte in Zu­sammen­arbeit mit dem Bild­hauer Frank Brinkmann (Grimma), dem Stein­metz Stephan Graf (Lauenau) und Kunst­lehrerin Juliane Köhler.

Während des Zweiten Welt­krieges war das heutige Schul­land­heim Aus­weich­quartier der Hannover­schen Kinder­heil­anstalt (heute: Auf der Bult). Neben deutschen Kindern wurden dort auch Kinder von aus­ländischen Zwangs­arbeiter­innen behandelt. Die Sterb­lich­keit der kranken Kinder war unter anderem wegen der kriegs­bedingt un­zu­reichenden Ver­sorgung mit Medi­ka­men­ten und wegen der vor­an­gehen­den Ve­rnach­lässi­gung der Kinder in den Zwangs­arbeiter­lagern sehr hoch. Mehr als 100 Kinder wurden auf dem Behelfs­fried­hof bei­ge­setzt, darunter auch 18 nament­lich be­kannte Kinder von Zwangs­arbeiter­innen, wie die Forschun­gen des Hamelner Historikers Bernhard Gelderblom ergeben haben. Die Namen der deutschen Kinder sind nicht überliefert, weil die entsprechenden Akten vernichtet wurden.

Schülerinnen der Leibnizschule legen einen Kranz an den Stelen mit den Namen der ausländischen Zwangsarbeiterkinder nieder. Foto: Jens Rathmann, Neue Deister-Zeitung

Noch in den 1950er Jahren hatten Leibnizer das Friedhofs­gelände her­ge­richtet. Im Jahr 1966 wurde der Kinder­fried­hof dann gegen geltendes Recht ein­ge­ebnet, das Gelände wurde bewaldet. Be­mühungen des Ehepaars Knittel (Leitung des Schul­land­heims) und der Leibniz­schule führten im Jahr 2001 zur Setzung eines Gedenk­steins und zur Frei­legung des Areals durch die Revier­försterei. Nach den neuen Forschungs­ergeb­nissen konnte nun eine grund­legende Um­ge­staltung durch den Volksbund Deutsche Kriegs­gräber­für­sorge und die zuständige Samt­ge­meinde Roden­berg vor­ge­nommen werden, an der auch die Hanno­ver­sche Kinder­heil­anstalt beteiligt war. Bis dahin war es „ein langer Weg“, wie Schul­leiter Kurt Veith bei der Ein­weihung fest­stellte.

In der Neuen Deister-Zeitung vom 2. Juli 2015 berichtet Jens Rathmann weiter:

Für die Schüler sei [so Veith] der Waldfriedhof ein wichtiger Ort, in der Aus­einander­setzung mit dem Thema sei ein Prozess im Geschichts­be­wusst­sein in Gang gekommen. Diesen Prozess zeichnete auch Lehrerin und Künstlerin Juliane Köhler nach. Sie beschrieb den Weg zur Ge­stal­tung des Grab­zeichens, das auf einem Ent­wurf der Schülerin Ksenia Kovelina beruht. Ihre Mit­schülerinnen Larissa Matz und Malissa Schultz sprachen für die Schüler: „Die Zeit zum Erinnern ist wichtig. Für unsere Geschichte. Für uns.“

Die Leibniz­schule freut sich, dass ihre Schüler die Kriegs­gräber­stätte Wald­fried­hof Nienstedt aktiv mit­ge­stalten konnten. Der Fried­hof wird durch die Neu­ge­staltung auch für künftige Schüler­gene­ra­tionen ein historischer Lern­ort sein.

Axel Ehlers

Leibnizer gestalten Grabzeichen und wirken bei Einweihung mit