Ein unvergessliches Erlebnis - Leibnizschüler reisen nach China

Am Tag der deutschen Einheit war es endlich so weit: 17 Schülerinnen und Schüler des gegenwärtigen Jahrgangs 10 reisten gemeinsam mit Herrn Manthey und Frau Möller nach China. Aus Sicht der Leibnizschule handelte es sich bei der Reisegruppe um Pioniere, denn der Austausch mit der Caoyang High School in Shanghai fand in diesem Herbst zum ersten Mal statt.


Shanghai, was übersetzt so viel wie "Stadt oben am Wasser" bedeutet, ist eine der größten Metropolen der Welt. Allein in der Kernstadt leben ca. 15 Millionen Menschen, im Großraum sind es sogar 23,5 Millionen und die Fläche der Stadt überragt diejenige der Stadt Hannover glatt um mehr als das dreißigfache. Es sind also unglaubliche Dimensionen mit denen die Schülergruppe und ihre Begleiter konfrontiert wurden.

Wie es sich für einen Schüleraustausch gehört, kamen die Schüler in Gastfamilien unter. Dies verlieh dem Aufenthalt in China eine besonders authentische Note. Im Allgemeinen stellten die Schüler schon bald fest, dass sie in ihren chinesischen Familien sehr herzlich aufgenommen wurden. So wurden sie reichlich und z.T. auch außergewöhnlich bekocht: Reis stand so gut wie jeden Tag auf dem Plan, Hühnchen, Ente und Schweinefleisch waren regelmäßig angesagt. Einige Schüler kamen aber auch in den Genuss von Mini-Aalen, die an Schlangen erinnerten, Qualle und haarigen Krabben. Nicht jedermanns Sache also, was auch für den Anblick eines zwar gebackenen, aber kompletten Vogels, inklusive Kopf mit Schnabel und Beinen gilt. Verhungern musste aber niemand, ist Shanghai doch wie alle Metropolen dieser Welt mit sämtlichen bekannten Fast Food-Ketten zugepflastert. Daher wurde gelegentlich freudig berichtet, man sei mit der Gastfamilie endlich etwas vernünftiges, nämlich Pizza essen gewesen. Einige Schüler unserer Gruppe machten sich dann auch schon einige Tage vor der Rückreise Gedanken darüber, was sie in Deutschland endlich wieder essen wollten: Deutsche Backwaren und Süßigkeiten, Kartoffeln und Frikadellen…

Aber auch über das Essen hinaus sind unsere Schüler in ihren Familien sehr freundlich aufgenommen worden. Einige von ihnen konnten sich sogar "als Teil der Familie" fühlen und wurden von der kleinen Schwester der Austauschpartnerin kurzer Hand zur "Schwester" erklärt. Solch positive Eindrücke sind auch aus dem Grund sehr erfreulich, da unsere Schüler letztlich nur sehr wenig von ihren Gastgeschwistern gehabt haben. Der chinesische Schulalltag stellt sich nämlich dergestalt dar, dass die Schüler morgens um sieben in der Schule ankommen und diese frühestens um 17 Uhr wieder verlassen. Da in der Zeit unseres Aufenthalts auch noch die Proben für das Schulfest zum 60 jährigen Jubiläum der Caoyang High School liefen, mussten sich einige chinesische (und deutsche) Schüler sogar bis 20 Uhr oder später gedulden, ehe es endlich nach Hause ging. An dieser Stelle möchte ich mich nochmal herzlich bei Johannes, Simon und Kathrin bedanken, die sich stellvertretend für unsere Gruppe und somit für unsere Schule bereit erklärten, an der Aula-Veranstaltung zum Schulfest teilzunehmen. Sie haben dabei sehr viel Geduld aufgebracht und sich am Ende mehr als prächtig geschlagen. Dagegen verblasst mein dreiminütiger Auftritt als Redner als Teil dieser insgesamt knapp dreistündigen Mammutveranstaltung in chinesischer Sprache, bei deren Abschluss wir alle zusammen nochmal mit kleinen chinesischen und deutschen Nationalflaggen ausgestattet auf die Bühne treten durften.

Insgesamt beeindruckten uns einige weitere Aspekte des chinesischen Schulalltags. Jeden Morgen um halb acht stand für sämtliche (!) Schüler der Schule der Frühsport auf dem Plan, welcher einer gymnastischen Übung gleichkam. Zuvor wurde noch die chinesische Flagge gehisst und die Nationalhymne gesungen. Ansonsten bekamen wir vom Regelunterricht nichts mit. Stattdessen erhielten wir eigenen Unterricht in englischer Sprache, durften Badminton spielen oder Pandabären aus Knete basteln, was durchaus Spaß gemacht hat. Erschrocken waren unsere Schüler über die Zeit und Arbeit, welche die chinesischen Schüler außerhalb der Schulzeit in die Vor- und Nachbereitung der selbigen steckten. So war es fast Alltag, bis in die Nacht hinein Hausaufgaben zu machen und auch während eines Wochenendausflugs an den Strand wurde schon mal fleißig gelernt. Dazu äußerte sich eine unserer Schülerinnen wie folgt: "Es gab viele Eindrücke, die ich in China gewonnen habe, aber auf jeden Fall den, dass sie ihre schulischen Leistungen über alles andere stellen und kaum Zeit für Freizeit und zum Treffen mit Freunden haben."

Außerhalb der Schule taten sich für uns als Gruppe jedoch die eigentlichen Highlights auf. An jedem Schultag erhielten wir spätestens ab 12, manchmal aber auch schon ab acht Uhr die Gelegenheit Shanghai zu erkunden. Wir bekamen auf diese Weise nicht nur einen Eindruck von der schieren Größe der Stadt, sondern lernten auch viele Facetten der Metropole kennen. Wir erlebten die Stadt "von oben", fuhren mit dem Aufzug auf den insgesamt 468 Meter hohen Fernsehturm "Oriental Pearl Tower". Wir erkundeten die Haupteinkaufsstraße der Stadt, die Nanjing Road und schauten uns im "Shanghai Urban Planning Museum" ein riesiges Modell der Stadt an. Wir besuchten den jahrhundertealten Yu Garten, ein wunderschönes Zeugnis chinesischer Gartenbaukunst und erlebten eine Teezeremonie im Zuge einer Visite im Jade Buddha Tempel. Einige Schüler hatten das Glück mit ihren Familien oder Gastgeschwistern die beeindruckende, kitschig-schillernd glitzernde Skyline Shanghais bei Nacht zu erleben.

Bevor es jedoch mit dem Schnellzug nach Shanghai ging, hatten wir bereits einige unvergessliche Tage in Beijing verbracht. Direkt am Ankunftstag sahen wir uns das "Vogelnest" genannte Olympiastadion an. Am Folgetag standen der Platz des Himmlischen Friedens, die Verbotene Stadt und der Himmelstempel auf dem Programm und am Tag vor der Abreise nach Shanghai bot sich uns die großartige Chance auf der chinesischen Mauer zu wandern. Auf die Frage nach dem schönsten Erlebnis während der Reise, antwortete eine Schülerin: "Ganz vorne ist da die chinesische Mauer, einfach dort oben zu stehen bei diesem atemberaubenden Panorama." Dem kann ich nur zustimmen.

Ich möchte mich an dieser Stelle nochmals bei den mitgereisten Schülerinnen und Schülern bedanken: Es war eine große Freude mit euch zu reisen und ich bin guter Dinge, dass ihr den Austausch noch lange in Erinnerung behalten werdet! Außerdem möchte ich mich bei meiner Kollegin Elke Möller für die herzliche Unterstützung im Vorfeld und während der Reise bedanken. Frau Aihua Cao von Via Education Hannover wiederum gebührt Dank für die hervorragende Organisation der Reise und schließlich bedanke ich mich bei Herrn Veith und dem Schulvorstand für die Unterstützung dieses aufregenden Projektes.
Alle Mitfahrenden sind in jedem Fall der Meinung, dass dies nicht der letzte Chinaaustausch gewesen sein soll!

Andreas Manthey