Verbrannt, doch nicht vergessen!

Etwa 80 bunte Ballons mit Texten verfolgter Autoren erhoben sich am 10. Mai 2013 über den Maschsee. Die Aktion von sechs Schülerinnen und Schülern unserer Schule erinnerte an die Bücherverbrennung vor 80 Jahren. Am 10. Mai 1933 hatten nationalsozialistisch eingestellte Studenten in Hannoverwie auch in anderen deutschen StädtenBücher verbrannt, deren Autoren als „undeutsch“ diffamiert wurden. Darunter waren Werke bekannter Schriftsteller und Wissenschaftler wie Sigmund Freud, Stefan Zweig, Ernest Hemingway oder Erich Kästner, aber auch Texte heute weniger bekannter Autoren wie Gina Kaus, Adrienne Thomas oder Henri Barbusse.

Der Scheiterhaufen stand an der Bismarcksäule. Heute bedeckt der Maschsee den Ort. Dorthin fuhren anlässlich der zentralen Gedenkfeier, die vom Projekt Erinnerungskultur der Stadt Hannover organisiert wurde, zwei Ausflugsboote der Maschseeflotte. Bezirksbürgermeister Lothar Pollähne erinnerte in einer Ansprache an die verfolgten Autoren, zumal an diejenigen mit Bezug zu Hannover wie Carl Sternheim, Albrecht Schaeffer oder Theodor Lessing. Die Passagiere markierten die Stelle der Bücherverbrennung mit einem Teppich aus Blütenblättern.

Von Bahar, Lea, Luzi, Xenia, Alexander-Kyu und Kirill aus der 11C animiert, übertrugen die Gäste die Namen verfolgter Autoren und kurze Textbeispiele auf Karten, die anschließend an Ballons befestigt wurden. Von dem Ort, wo 1933 die Bücher brannten, stiegen nun Texte der verfolgten Autoren auf. Die Texte sind bunte Blüten des geistigen Lebens, das die Nazis ersticken wollten. Und ein bunter Strauß an Texten schwebte an bunten Ballons über den Maschsee.

Die Idee der Schüler zu dieser Aktion fand großen Anklang. Wer eine Karte findet, findet auch den Text eines verfolgten Autors. Die Bücher wurden verbrannt, sind aber nicht vergessen. Es besteht die Möglichkeit, die Karten an die Schule zurückzusenden. Die Klasse 11C ist gespannt, wie viele Finder sich mit eigenen Kommentaren oder Fragen melden und wird über eingehende Sendungen berichten.

Axel Ehlers

Leibnizschüler lassen Texte verfolgter Autoren schweben - Gedenken an die Bücherverbrennung vor 80 Jahren