Warum hängt die Mesusa schräg?

Religionskurs 7 B/C besucht die Liberale Jüdische Gemeinde

MiteinanderGemeinsam für Integration. Gemeinsam gegen Antisemitismus und Diskriminierung“, heißt das Projekt, mit dem die Liberale Jüdische Gemeinde in Hannover sich an Schüler der siebten bis zwölften Klassen wendet. Ziel ist es, durch Gespräch und Musik Vorurteile abzubauen sowie Verständnis und Toleranz zu fördern. Der Kurs Evangelische Religion 7 B/C  hat das Angebot ausprobiert.

„Am 11. April fuhren wir zur Liberalen Jüdischen Gemeinde nach Stöcken“, berichtet Jonathan. „Als wir in das Gebäude gehen wollten, mussten wir erst von einer Überwachungskamera erkannt werden, um reinzukommen“, beschreibt Carolina die Situation bei der Ankunft. Am Türpfosten fällt uns die Mesusa auf, eine längliche Kapsel, die Texte aus der Tora enthält. Sie hängt schräg, aber warum? „Nun gingen wir durch die erst verschlossene Tür, auf der stand: Bitte die Tür immer geschlossen halten“, so Jonathan weiter. Die besonderen Sicherheitsmaßnahmen haben ihren Grund: Antisemitismus, also Feindschaft gegenüber Juden, gehört beklagenswerter Weise zum Alltag in Deutschland.

„Die Kippa würde ich öffentlich nicht überall tragen“, antwortet Konstantin Seidler auf die Frage, ob er die traditionelle runde Kappe auch außerhalb der Synagoge auf hat. Der diplomierte Sozialwissenschaftler ist Mitglied der Gemeinde und führt mit den Schülern zwei Stunden lang ein Gespräch über das Judentum und über Antisemitismus. Zwischendurch tragen die Musikpädagogin Elena Kondrashova und die Klavierpädagogin Stella Perevalova auf Violine und Klavier moderne und traditionelle jüdische Musikstücke vor. „Ich fand die Musik schön, weil sie in Moll gespielt wurde und doch fröhlich klang“, fasst Emily ihren Höreindruck zusammen.

„Ehrlich gesagt habe ich mir eine Synagoge anders vorgestellt. Ich dachte, das Gebäude wäre alt und nicht besonders auffallend, aber da habe ich mich geirrt“, erzählt Jakob. „Es war ein sehr modernes Gebäude mit mehreren Stockwerken“, bemerkt Moritz. Die Mitglieder der Gemeinde stammen aus 16 Nationen, darunter viele aus Ländern der ehemaligen Sowjetunion, so Konstantin Seidler. Manche Menschen seien von Vorurteilen über Juden geprägt, etwa dem, dass Juden „gut mit Geld umgehen“ könnten, sagt Seidler und illustriert seine Worte mit einem Beispiel aus eigenem Erleben. Auch bestimme häufig das strenge orthodoxe Judentum die öffentliche Wahrnehmung „der Juden“, obwohl von den 16 bis 18 Millionen Juden weltweit höchstens ein Zehntel dieser Richtung zuzurechnen seien. „Die zuweilen einseitige Wahrnehmung wird der Vielfalt des Judentums nicht gerecht“, findet Seidler. Das Judentum sei wesentlich geprägt von der kontroversen Diskussion untereinander.

Darum hängt auch die Mesusa schräg, nämlich „aus dem einfachen Grund, dass die Gelehrten sich nicht einigen konnten, ob sie waagerecht oder senkrecht angebracht werden sollte, also haben sie sich in der Mitte getroffen und sie schräg angebracht“, erinnert sich Niklas an die Erklärung Konstantin Seidlers. Zum Abschluss durften die Schüler noch einen Blick auf die Torarollen der Gemeinde werfen„sozusagen das Highlight“, schwärmt Julia.

Axel Ehlers