Leibnizschüler erinnern an das Ghetto Theresienstadt

Gut 200 Schülerinnen und Schüler der Leibnizschule in der List gedachten am Montag in einer Feierstunde der Opfer des Nationalsozialismus. Im Beisein von Vertretern des Rates und der Verwaltung der Landeshauptstadt Hannover, darunter Bürgermeister Bernd Strauch und die Kultur- und Schuldezernentin Marlis Drevermann, riefen die Elft- und Zwölftklässler Sophie Boerscheper und Lennart Mende ihren Mitschülern das Schicksal von Ida Danziger ins Gedächtnis, an die seit Dezember 2012 ein so genannter „Stolperstein“ auf der Podbielskistraße erinnert. Im Juli 1942 wurde die Achtzigjährige in das Ghetto Theresienstadt deportiert, wo sie drei Monate später starb. Von knapp 500 weiteren nach Theresienstadt deportierten Hannoveranern fanden mindestens 374 den Tod in diesem oder anderen nationalsozialistischen Konzentrationslagern.

Seit September 2012 erinnert daran eine Gedenktafel in Theresienstadt. Schüler der Leibnizschule hatten zwei Jahre zuvor ihre Errichtung angeregt. Christina Bittmann berichtete von der Einweihung durch eine Delegation des Rates der Landeshauptstadt Hannover, der auch aktive und ehemalige Leibnizschüler angehörten. In einem Grußwort bekannte Bernd Strauch, dass ihm diese Fahrt tief im Gedächtnis geblieben sei. Die Erinnerung sei notwendig, um die Würde der Opfer zu wahren. Dabei werde man mit unangenehmen Seiten der deutschen Geschichte konfrontiert. „Ja, unsere Geschichte nervt!“, griff Strauch das Empfinden mancher Jungendlicher auf. Um so mehr freue er sich über die „engagierte Schule“, die sich mit den Verbrechen der NS-Zeit auseinandersetze und das Gedenken an die Opfer pflege.

Die Aula war bemerkenswert still, als die Gymnasiasten dem Bericht des Zeitzeugen Zvi Cohen lauschten, den Lynn Oppermann und Alexander-Kyu Yang vortrugen. Als Dreizehnjähriger musste Cohen die Asche von Verstorbenen in die Eger bei Theresienstadt schütten, darunter auch die seiner Großeltern, die nur wenig jünger waren als Ida Danziger aus Hannover. „Was hatte Ida Danziger eigentlich verbrochen?“, fragten die Schüler rhetorisch. „Nichts. Sie war Jüdin; das reichte den Nazis.“ Die Erinnerung an die Entrechtung und Verfolgung könne helfen, Gleichgültigkeit gegenüber Verletzungen der Menschenwürde in der Gegenwart zu überwinden, so die Schüler. Musikalische Beiträge von Alexander-Kyu Yang und Eric Lowes rundeten die nachdenkliche Feierstunde ab.

Axel Ehlers

Feierstunde aus Anlass des Tags des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus in der Aula des Lister Gymnasiums