„Krieg verändert einen Menschen“ – Gedenkstunde zum Volkstrauertag

Zehntklässler gedenken der Opfer von Krieg und Gewalt

Wenn man für insge­samt rund zwei Jahre als Soldat der Bundes­wehr in Afgha­nistan einge­setzt war, hinter­lässt das Spuren. Manche Soldaten kommen mit ihren Erleb­nissen besser zurecht, manche weniger gut, und manche kehren aus dem Einsatz nicht nach Hause zurück. Der ehe­malige Berufs­soldat Daniel K. kann davon erzählen. Ein Interview mit ihm stand im Mittel­punkt der Gedenk­stunde anlässlich des Volks­trauer­tages, die Schülerinnen und Schüler der Kasse 10d am Freitag, dem 17. November 2017, gestaltet haben.

Traditionell legt der Verband Ehemaliger Leibnizer (VEL) zum Volks­trauer­tag einen Kranz für die Kriegstoten der Leibnizschule an der Gedenkstele im Eichenhain nieder. Die Vorstandsmitglieder Kristina Wehling, Cord Bräuer und Christian Knupper nahmen in diesem Jahr für den VEL an der Gedenkstunde teil.

Die Klasse 10d wollte bewusst die heutige Weltlage in den Blick nehmen. „Es war die Entscheidung der Schülerinnen und Schüler, vom üblichen Weltkriegsgedenken abzuweichen“, sagt Geschichtslehrerin Hannah Lüttig, die die Veranstaltung im Unterricht vorbereitet hat. In einem Überblick erinnerten die Klasse an die Bundeswehrsoldaten, die bei aktuellen Auslandseinsätzen gefallen sind.

Vor ihren gut 90 Mitschülerinnen und Mitschülern aus dem zehnten Jahrgang präsentierten sie die Aufzeichnung eines Gesprächs mit Daniel K., das Emily Lippold vorab im Namen der Klasse geführt hatte. Dass der eigene Tod im Einsatz stets eine Möglichkeit ist, führte K. den sehr aufmerksamen Zuhörern durch eine Episode vor Augen, bei dem Kameraden mit ihrem Fahrzeug in eine Sprengfalle gerieten, was drei von vier Fahrzeuginsassen nicht überlebten. „Das hätten wir sein können“, sagte K.

„Was uns heute oft selbstverständlich scheint, ist in Kriegszeiten nicht gegeben“, erinnerte Kristina Wehling in ihrer kurzen Ansprache. Der Krieg greife tief in das Leben aller Betroffenen ein, wie sie mit Blick auf Leibnizschüler ausführte, die im Zweiten Weltkrieg Bombenangriffen zum Opfer fielen. Für heutige Leibnizer*innen sei es üblich, beispielsweise auf Austauschfahrt nach Polen zu fahren; angesichts der deutschen Verbrechen in Polen während des Zweiten Weltkrieges keineswegs eine Selbstverständlichkeit.

Den Frieden und die Versöhnung zwischen den Völkern zu erhalten, sei daher eine wichtige Aufgabe. „Wir leben in einem Land, in dem es uns super geht“, findet auch Daniel K. mit Blick auf die Kriegsgebiete dieser Welt. Nach dem Einsatz in Afghanistan kamen ihm Klagen von Verwandten über die eigene Situation zuhause geradezu lächerlich vor. Die Sicherheit und Freiheit, in der wir lebten, könne man gar nicht hoch genug schätzen.

„Krieg verändert einen Menschen, nicht un­be­dingt zum Besten“, bemerkte K. auf die Frage, wie Soldaten mit den Folgen von Kampf­ein­sätzen zurecht­kommen. Es sei daher sehr wichtig, das Er­lebte in Ge­sprächen zu ver­arbeiten. Die Schüler­innen und Schüler der 10d ver­arbeiteten ihre Beob­achtungen über die Folgen von Krieg zu einem klaren Fazit, das Liron Krasniqi an der Gedenk­stele vortrug: „Nie wieder Krieg!“ Mit zahl­reichen Kerzen ge­dachte der zehnte Jahr­gang an­schließend der Kriegs­toten, die uns mahnen, uns jeder­zeit für eine fried­liche Welt ein­zu­setzen. Schul­leiterin Monika Rosner dankte der Klasse 10d sehr für die Ge­staltung dieser nach­denk­lichen Gedenk­stunde.

Axel Ehlers

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