Demo für die Menschenrechte

Geschichtskurs 12 bewegt Besucher der Landesfeier am Volkstrauertag

„Kriegsgräber sind keine ,fake news‘“, erinnerte der Ehren­vor­sitzende des Volks­bundes Deutsche Kriegs­gräber­fürsorge, Professor Rolf Wernstedt, in seiner Gedenk­rede am 19. No­vem­ber 2017 die Zuhörer in der gut gefüllten Markt­kirche Hannover. Sich die Bedeutung der Millionen Kriegs­gräber vor Augen zu führen, sei ein wichtiger Teil des Volks­trauertages und gebe ihm fort­dauernden Sinn.

22 Schülerinnen und Schüler der Leibniz­schule haben sich dieser Aufgabe gestellt. Seit April 2017 haben sie sich im Geschichts­unterricht des elften und zwölften Jahr­gangs mehrfach mit dem Leitthema „Krieg und Menschen­rechte“ befasst, das der Volks­bund für das diesjährige Gedenken ausgegeben hatte.

Eine Poster­ausstellung in der Aula bot im Mai An­schauungs­material zur Entwicklung der Menschen­rechte und stellte Personen vor, die sich unter den Bedingungen des Krieges für Humanität und das Recht anderer eingesetzt haben. Eine davon, den Wehrmachts­soldaten Anton Schmid, wählten die Schüler aus, um ihn am Volks­trauertag vorzustellen. Schmid hatte während des Zweiten Welt­krieges als Soldat im besetzten Litauen mehrere hundert Juden durch falsche Papiere vor der Ermordung gerettet. Er selbst wurde dafür hinge­richtet. Sein Grab liegt auf der Kriegsgräberstätte im litauischen Vilnius.

An die Seite dieses Schicksals stellen die Schüler den tschechischen Juden Michael Salomonovič. Vier Kurs­mitglieder hatten diesen Holocaust-Überlebenden im Mai auf einem Workshop der Brücke/Most-Stiftung in Dresden kennengelernt. Anhand der Erfahrungen von Salomonovič zeigten die Schüler, wie elementare Menschen­rechte in Kriegs­zeiten auf der Strecke bleiben und wie sehr Menschen dann der Gewalt ausgeliefert sind.

Diese Einsicht wollte der Kurs mit aktuellen Ereignissen in Verbindung bringen. Mit Hilfe von Politik­lehrerin Pia Frede organisierten die Schüler daher im August ein Gespräch mit Salem, der 2015 aus Syrien nach Deutschland geflüchtet war. Die Alternative, entweder im Krieg zu sterben oder erschossen zu werden, weil er nicht in den Krieg ziehen wollte, trieb ihn aus seiner Heimat. „Man kann es nicht beschreiben, wie es sich anfühlt in einer Kriegs­welt zu leben“, zitierten die Schüler Salem.

Auf Plakaten präsentierten sie während der Landes­feier zum Volks­trauertag Auszüge aus der Allge­meinen Erklärung der Menschen­rechte und trugen Fotos von Salem, Michael Salomonovič und Salem mit sich. So ausgestattet störten Ekaterini Aslanidou, Moritz Bierich, Can Martin Dogruyol, Moritz Gudsuzian, Debbie Gundermann, Johannes Hahne, Janika Jehnes, Finn Mahlau, Alexander Minez, Jonathan Mosbach, Maral Özdemir, Alisa Stietenroth, Marc Voskoboynikov, Paul Winter und Niklas Wieczorek in einem Demonstrations­zug im Mittel­schiff der Markt­kirche die Gedenk­rede, die Dennis Volkovitski betont langweilig begonnen hatte.

Daraus entwickelte sich ein lebendiger Vortrag, bei dem einzelne Artikel der Menschen­rechte vorge­tragen und die drei Biographien vorgestellt wurden. „Wir müssen wachsam sein und für das Recht einstehen“, lautete das Fazit des inhalts­reichen Beitrags; denn es geht dabei auch um unser Recht.

Das fand den ausdrücklichen Beifall von Schulleiterin Monika Rosner und den beiden ehemaligen Direktoren der Leibnizschule, Kurt Veith und Dr. Martin Stupperich, die allesamt zugegen waren. „Mehrere Zuschauer in unserer Nähe haben sich spontan sehr lobend geäußert“, ergänzte Monika Rosner ihren eigenen Dank an die Schüler. Zu danken ist ferner dem Volksbund Deutsche Kriegs­gräberfür­sorge für die Zusammen­arbeit, namentlich dem Landes­geschäftsführer Roland Behrmann und dem Bildungs­referenten Coskun Tözen, die den Kurs in der Vorbereitung begleitet haben und die Mitgestaltung des Volks­trauer­tages angeregt hatten.

Axel Ehlers

Mehr zum Thema

Bericht in der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung vom 20.11.2017 (externer Link).

Bericht des NDR in der Sendung „Hallo Niedersachsen“ vom 19.11.2017, ab Min.10:57 (externer Link).